Pilatushaus Nürnberg

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Pilatushaus Nürnberg: Das Fachwerkjuwel am Tiergärtnertorplatz

Am Tiergärtnertorplatz unterhalb der Kaiserburg steht eines der auffälligsten Fachwerkhäuser Nürnbergs: das Pilatushaus. Mit seinem hohen, spitz zulaufenden Giebel, dem kleinen vorspringenden Erker und den dunklen Holzbalken auf hellem Grund sieht es beinahe wie ein Haus aus einer mittelalterlichen Bildergeschichte aus. Dabei ist das Gebäude keine moderne Rekonstruktion, sondern geht auf das Jahr 1489 zurück.

Das Pilatushaus ist ein ehemaliges Handwerkerhaus und gehört zu den markanten historischen Gebäuden der Sebalder Altstadt. Besonders interessant sind die Ritterfigur an der Hausecke, die wechselvolle Baugeschichte und die Frage, woher das Haus eigentlich seinen Namen hat. Du kannst das Gebäude bei einem Spaziergang durch das Burgviertel von außen ansehen. Eine Besichtigung des Inneren ist ebenfalls möglich, allerdings solltest du wegen der laufenden Sanierungsarbeiten die aktuellen Hinweise der Altstadtfreunde beachten – siehe unten.

Wenn du weitere historische Orte in der Umgebung entdecken möchtest, findest du auf Nürnberg Altstadt viele Tipps für deinen Besuch.

Wo liegt das Pilatushaus in Nürnberg?

Das Pilatushaus steht an der Oberen Schmiedgasse 64/66, direkt am Tiergärtnertorplatz unterhalb der Kaiserburg. Der Platz gehört zu den bekanntesten Orten der Sebalder Altstadt. Hier treffen das historische Fachwerkhaus, das benachbarte Tiergärtnertor und weitere alte Bürgerhäuser aufeinander.

Du erreichst das Pilatushaus gut zu Fuß bei einem Rundgang durch das Burgviertel. Vom Hauptmarkt gehst du über die Sebalduskirche in Richtung Burgstraße und weiter zum Tiergärtnertorplatz. Auch vom Albrecht-Dürer-Haus ist es nur ein kurzer Weg. Das Pilatushaus lässt sich deshalb sehr gut in einen Rundgang durch die Sebalder Altstadt einbauen. In unmittelbarer Nähe liegen mehrere Sehenswürdigkeiten, die du gut miteinander verbinden kannst.

  • Tiergärtnertorplatz Nürnberg: Der historische Platz ist ein beliebter Treffpunkt und bietet einen schönen Blick auf die umliegenden Fachwerkhäuser.
  • Tiergärtnertor Nürnberg: Das mittelalterliche Stadttor liegt direkt neben dem Pilatushaus.
  • Albrecht-Dürer-Haus: Das ehemalige Wohn- und Arbeitshaus des berühmten Nürnberger Künstlers befindet sich nur wenige Schritte entfernt.
  • Kaiserburg Nürnberg: Oberhalb des Platzes erhebt sich die Burganlage, die du bei einem längeren Besuch ebenfalls besichtigen kannst.

Was macht das Pilatushaus architektonisch besonders?

Das Pilatushaus fällt vor allem durch seine ungewöhnliche Gebäudeform auf. Über dem steinernen Erdgeschoss erheben sich die Fachwerkgeschosse, darüber folgen weitere Dachgeschosse. Der steil aufragende Giebel und der vorspringende achteckige Erker machen das Haus zu einem der markantesten Gebäude am Tiergärtnertorplatz. Achte bei deinem Besuch auf drei besondere Details:

  • Das Fachwerk: Die dunklen Holzbalken zeichnen sich deutlich von den hellen Gefachflächen ab. Das sichtbare Fachwerk wurde allerdings nicht die ganze Zeit über gezeigt: Bei einer Barockisierung im Jahr 1693 erhielten die Fassaden einen vollständigen Putzüberzug. Erst 1939 wurde dieser wieder entfernt.
  • Der Giebelerker: Der kleine, weit oben sitzende Erker ragt aus dem steilen Dachgiebel hervor. Er entstand beim Umbau des Hauses im Jahr 1597 und ist eines der auffälligsten Merkmale der Fassade.
  • Die Ritterfigur: An der Hausecke steht der Heilige Georg in Ritterrüstung. Die Figur erinnert an den ursprünglichen Bauherrn und erklärt den historischen Zweitnamen des Hauses.

Die Kombination aus dem steinernen Sockel, dem reich gegliederten Fachwerk und dem hohen Giebel macht das Pilatushaus zu einem hervorragenden Beispiel spätmittelalterlicher Nürnberger Bürgerhausarchitektur. Gerade auf dem kleinen Platz wirkt die Fassade besonders eindrucksvoll, weil du das Gebäude aus kurzer Entfernung vollständig betrachten kannst.

Warum heißt das Gebäude Pilatushaus?

Der Name klingt ungewöhnlich für ein Nürnberger Bürgerhaus. Er wird traditionell mit dem Kreuzweg von Adam Kraft in Verbindung gebracht. Der Bildhauer schuf Anfang des 16. Jahrhunderts Kreuzwegstationen, die von Nürnberg in Richtung Johannisfriedhof führten. Die Stationen stellen Szenen aus der Leidensgeschichte Christi dar.

Lange wurde das heutige Pilatushaus mit dem Haus des Pontius Pilatus aus dieser religiösen Bildwelt in Verbindung gebracht. Diese Zuordnung ist allerdings nicht so eindeutig, wie der Name vermuten lässt. Neuere kunsthistorische Untersuchungen beschäftigen sich damit, ob das in den Kreuzwegstationen erwähnte Haus des Pilatus tatsächlich mit dem heutigen Fachwerkgebäude identisch ist.

Der Name „Haus zum geharnischten Mann“ ist dagegen unmittelbar mit der Geschichte des Hauses verbunden: An der Fassade befindet sich die Figur des Heiligen Georg als gerüstetem Ritter. Sie erinnert an Hans Grünewald, den ursprünglichen Bauherrn und Harnischmacher. Wenn du dich für die Kunst Adam Krafts und die Geschichte des Nürnberger Kreuzwegs interessierst, kannst du deinen Besuch mit einem Spaziergang zum Johannisfriedhof Nürnberg verbinden.

Wer lebte im Pilatushaus?

Das Haus wurde 1489 von Hans Grünewald errichtet, einem Harnischmacher. Er stellte Rüstungen her, die im späten Mittelalter sowohl für den Kampf als auch für Turniere benötigt wurden. Das war ein anspruchsvolles Handwerk, das Fachwissen in Metallbearbeitung und viel praktische Erfahrung erforderte.

Im Jahr 1507 kaufte der Bildhauer Veit Wirsberger das Haus. Dadurch wurde das Gebäude zum Nachbarhaus von Albrecht Dürer, dessen Wohnhaus sich direkt gegenüber am Tiergärtnertorplatz befindet. Dürer lebte dort von 1509 bis 1528. Beide Häuser gehören deshalb zu einem besonders interessanten historischen Ensemble der Sebalder Altstadt.

Zu den späteren Bewohnern zählte auch Hans von Aufseß, der Gründer des Germanischen Nationalmuseums. Das Haus war also über die Jahrhunderte nicht nur ein auffälliges Gebäude, sondern auch Wohn- und Arbeitsort verschiedener Menschen, die mit dem Handwerk und der Kultur Nürnbergs verbunden waren. Mehr über Dürers Leben und sein ehemaliges Wohnhaus erfährst du auf der Seite Albrecht-Dürer-Haus Nürnberg.

Welche Geschichte hat das Pilatushaus erlebt?

Die Baugeschichte des Pilatushauses lässt sich an mehreren Veränderungen ablesen. Nach seiner Errichtung im Jahr 1489 wurde es mehrfach umgebaut. Besonders prägend waren die Umgestaltung des Giebels im Jahr 1597 und die Barockisierung von 1693, bei der das Fachwerk unter Putz verschwand.

1939 wurde der Putz wieder entfernt. Dadurch kam das Fachwerk erneut zum Vorschein und das Haus erhielt wieder einen großen Teil seines heutigen Erscheinungsbildes. Auch der Zweite Weltkrieg hinterließ Spuren. Die Stadt Nürnberg hatte das Gebäude bereits 1941 erworben. 1942 wurde die Rückseite durch die Druckwirkung einer Luftmine beschädigt, die in der Nähe der Kaiserburg detonierte. Noch vor Kriegsende wurde die beschädigte Rückseite zusammen mit dem zerstörten Nachbarhaus in historischer Form wieder aufgebaut.

Ein weiteres Kapitel begann im Jahr 2011: Wegen der Gefahr statischer Schäden wurde das Haus geräumt und abgestützt. Seitdem stand es lange leer. Im Jahr 2022 übernahmen die Altstadtfreunde Nürnberg das Pilatushaus für 60 Jahre in Erbpacht von der Stadt. Gemeinsam mit dem benachbarten Haus Nummer 64 soll es umfassend saniert werden. Nach den Plänen der Altstadtfreunde sollen dort künftig unter anderem eine Gaststätte, Büros und Wohnungen entstehen.

Kannst du das Pilatushaus von innen besichtigen?

Ja, eine Besichtigung des Inneren ist grundsätzlich möglich. Die Situation unterscheidet sich allerdings von der vieler anderer Sehenswürdigkeiten in Nürnberg: Wegen der statischen Probleme war das Haus lange nicht regulär zugänglich, und inzwischen stehen Sanierungsarbeiten an. Die Altstadtfreunde Nürnberg geben auf ihrer aktuellen Projektseite an, dass sie das Pilatushaus an den Wochenenden öffnen. Dabei ist auch der Blick über Nürnberg aus dem Dachgeschoss ein besonderes Highlight. Konkrete Öffnungszeiten nennt die Seite allerdings nicht. Wegen der Sanierung solltest du deshalb unbedingt vorab prüfen, ob eine Besichtigung am gewünschten Tag stattfindet und ob eine Führung erforderlich ist. Die aktuellen Informationen findest du direkt bei den Altstadtfreunden Nürnberg – Pilatushaus.

Welche Sehenswürdigkeiten liegen in der Nähe des Pilatushauses?

Das Pilatushaus liegt mitten in einem der interessantesten Bereiche der Sebalder Altstadt. Du kannst deshalb mehrere Sehenswürdigkeiten in kurzer Zeit zu Fuß erreichen.

  • Tiergärtnertorplatz Nürnberg: Hier steht das Pilatushaus selbst. Der Platz ist ein guter Ausgangspunkt, um die benachbarten historischen Fassaden anzusehen.
  • Tiergärtnertor Nürnberg: Das Tor ist Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung und liegt direkt neben dem Pilatushaus.
  • Albrecht-Dürer-Platz: Der Platz erinnert an den berühmten Künstler und liegt in der Nähe seines ehemaligen Wohnhauses.
  • Kaiserburg Nürnberg: Von hier geht es hinauf zur Burganlage und zu den Aussichtspunkten über der Stadt.
  • Weißgerbergasse Nürnberg: Wenn du noch mehr historische Fachwerkhäuser sehen möchtest, lohnt sich ein Abstecher in diese bekannte Gasse.

Für einen größeren Spaziergang kannst du das Pilatushaus in den Nürnberg Altstadt Rundgang aufnehmen. Wenn du nur einen Tag in der Stadt hast, findest du unter Nürnberg an einem Tag einen Vorschlag für die Planung. Für einen ausführlicheren Besuch eignet sich auch die Übersicht Nürnberg in zwei Tagen.

Häufige Fragen zum Pilatushaus Nürnberg

  • Wie alt ist das Pilatushaus? – Das Haus wurde 1489 errichtet und gehört zu den bedeutenden spätmittelalterlichen Bürgerhäusern Nürnbergs.
  • Wo steht das Pilatushaus? – Du findest es an der Oberen Schmiedgasse 64/66 direkt am Tiergärtnertorplatz unterhalb der Kaiserburg.
  • Warum heißt es Pilatushaus? – Der Name wird traditionell mit dem Kreuzweg von Adam Kraft in Verbindung gebracht. Die genaue Zuordnung des Gebäudes zum Haus des Pilatus ist allerdings historisch nicht eindeutig geklärt.
  • Wie heißt das Pilatushaus noch? – Es ist auch als „Haus zum geharnischten Mann“ bekannt. Der Name verweist auf die Ritterfigur des Heiligen Georg an der Hausecke.
  • Kann man das Pilatushaus besichtigen? – Laut aktueller Projektseite der Altstadtfreunde sind Besichtigungen am Wochenende vorgesehen. Wegen der Sanierung solltest du die aktuellen Hinweise vor dem Besuch prüfen.
  • Ist das Pilatushaus kostenlos zugänglich? – Die Fassade kannst du von den öffentlichen Wegen und dem Tiergärtnertorplatz aus kostenlos ansehen. Für den Innenbereich solltest du die aktuellen Bedingungen des Vereins prüfen.
  • Wie viel Zeit sollte ich einplanen? – Für die Fassade und einen Blick auf die Details reichen wenige Minuten.

Mein persönlicher Tipp

Schau dir das Pilatushaus nicht nur frontal an. Geh auf dem Tiergärtnertorplatz ein Stück zurück, sodass du den hohen Fachwerkgiebel, den vorspringenden Erker und das benachbarte Stadttor gemeinsam im Blick hast. So erkennst du besser, wie unterschiedlich die historischen Gebäude am Platz gestaltet sind.

Und wenn du ohnehin vor dem Haus stehst, achte auf die Ritterfigur an der Ecke. Sie ist eine Kopie, die seit 1899 an dieser Stelle steht, und erklärt den Zweitnamen „Haus zum geharnischten Mann“. Dieses Detail ist leicht zu übersehen

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