Henkersteg Nürnberg: Eine Brücke mit düsterer Geschichte
Wenn du durch die Nürnberger Altstadt spazierst und an die Pegnitz kommst, solltest du unbedingt auch zum Henkersteg. Diese überdachte Holzbrücke verbindet den Trödelmarkt mit dem Unschlittplatz. Daneben steht der Henkerturm und gleich um die Ecke findest du das Henkerhaus. Zusammen bilden diese alten Gebäude ein Ensemble, das wirklich malerisch wirkt. Doch hinter dem Namen steckt eine Geschichte, die deutlich weniger idyllisch ist.
Denn hier lebte einst der Nürnberger Henker. Sein Beruf machte ihn zu einem Außenseiter der Gesellschaft. Warum er ausgerechnet hier wohnte, was beim großen Hochwasser von 1595 geschah und was du heute am Henkersteg entdecken kannst, erzähle ich dir auf dieser Seite.


Wo findest du den Henkersteg in Nürnberg?
Der Henkersteg liegt mitten in der Nürnberger Altstadt. Er führt über die Pegnitz und verbindet die beiden Nürnberger Stadtteile St. Lorenz und St. Sebald. Auf der einen Seite führt der Steg entlang der Bratwurstgasse zum Trödelmarkt. Ja, die Gasse heißt wirklick so und passt wie die Faust auf´s Auge. Die schmale Gasse führt über den Trödelmarkt – nicht zu verwechseln mit dem Trämpelesmarkt in Nürnberg. Trödelmarkt ist eine kleine Insel in der Pegnitz, auf der einst eine Mühle stand. Wenn du vom Trödelmarkt kommst, stehst du direkt vor dem Henkerturm. Der Übergang über die Pegnitz ist kurz, aber die Umgebung hat einiges zu erzählen. Auf der anderen Seite gelangst du zum Unschlittplatz mit seinen historischen Häusern. Nicht weit entfernt steht der Weinstadel, eines der aufälligsten Fachwerkgebäude Nürnbergs. Du musst für den Henkersteg keinen eigenen Ausflug einplanen. Er passt gut in einen Rundgang durch die Altstadt, besonders wenn du auch den Kettensteg und die bekannte Weißgerbergasse sehen möchtest.
Die Geschichte des Henkerstegs: Hochwasser, Eis und ein zerstörter Steg
Ein Übergang über die Pegnitz ist an dieser Stelle schon seit dem Mittelalter belegt. Bereits 1457 gab es hier einen hölzernen Steg. Dass die Brücke nicht immer so aussah wie heute, liegt vor allem an einem Ereignis, das Nürnberg im Januar 1595 schwer traf. Damals führte die Pegnitz nach starkem Frost und einsetzendem Tauwetter Hochwasser. Große Eisschollen bewegten sich durch den Fluss und setzten den Brücken zu. Der damalige Henkersteg stürzte ein. Auch Menschen, die das Hochwasser von der Brücke aus beobachteten, gerieten in die Fluten. Nach der Katastrophe wurde der Übergang an anderer Stelle neu errichtet – weiter westlich und als überdachte Holzbrücke.
Warum sieht der Henkersteg heute so historisch aus?
Der heutige Henkersteg stammt aus dem Jahr 1954. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde er in seiner traditionellen Form wiederhergestellt. Die historische Bauweise blieb damit Teil des Nürnberger Stadtbilds. 2025 stand eine umfassende Sanierung an. Dabei wurden beschädigte Bauteile der Tragkonstruktion erneuert und die Brüstung an aktuelle Sicherheitsanforderungen angepasst. Die Brücke wurde am 24. November 2025 wieder für Fußgänger freigegeben. Die neue Verkleidung aus unbehandeltem Lärchenholz orientiert sich am überlieferten Erscheinungsbild. Wenn du heute über den Henkersteg gehst, siehst du also eine moderne Instandsetzung in historischer Gestalt.

Warum heißt der Henkersteg eigentlich Henkersteg?
Der Name geht auf den benachbarten Henkerturm und das Henkerhaus zurück. Hier wohnten die Nürnberger Henker, die früher auch als Scharfrichter bezeichnet wurden. Ihre Aufgabe war es, gerichtlich verhängte Strafen zu vollstrecken. In der damaligen Gesellschaft galt ihr Beruf als unehrlich. Der Henker und seine Familie mussten deshalb mit Ausgrenzung rechnen. Das bedeutete mehr als einen schlechten Ruf. Der gesellschaftliche Ausschluss konnte sich auf die Berufsmöglichkeiten der Kinder und auf Heiraten auswirken. Der Henker gehörte zwar zur städtischen Ordnung, stand sozial aber außerhalb der Gemeinschaft, die er mit seiner Arbeit zugleich mit aufrechterhielt.
Das Henkerhaus
Heute ist im Henkerhaus eine Ausstellung zur Nürnberger Rechts- und Kriminalgeschichte untergebracht. Wenn du wissen möchtest, wie der Henker lebte und arbeitete, ist das die passende Ergänzung zum Spaziergang. Die Nürnberger Henker wohnten hier vom Mittelalter bis 1806. In den ehemaligen Wohnräumen erfährst du mehr über die damalige Gerichtsbarkeit, die Strafpraxis und den Alltag der Scharfrichterfamilien. Besonders interessant ist die Geschichte von Franz Schmidt, einem der bekanntesten Nürnberger Henker.
Schmidt führte ein Diensttagebuch, in dem er zahlreiche Fälle aus seiner Arbeit festhielt. Diese Aufzeichnungen sind eine wichtige Quelle für die Rechtsgeschichte um 1600. Sie zeigen, wie Gerichte damals vorgingen und welche Rolle der Scharfrichter im städtischen Leben spielte. Ich würde den Besuch des Henkerhauses vor allem dann einplanen, wenn du dich für Geschichte interessierst und gern hinter die Fassaden einer Stadt schaust. Das Museum ist zwar nicht groß, bietet aber einen guten Einblick in die damalige Zeit.
- Öffnungszeiten: April bis Dezember, Dienstag bis Sonntag von 12 bis 17 Uhr. Montags ist das Henkerhaus geschlossen.
- Eintrittspreise: Erwachsene 3 Euro, ermäßigter Eintritt 2 Euro. Kinder unter 14 Jahren haben freien Eintritt.
- Das Museum ist aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht barrierefrei zugänglich.
Diese Sehenswürdigkeiten liegen gleich in der Nähe
- Weinstadel: Das große Fachwerkgebäude direkt an der Pegnitz gehört zu den markantesten Häusern in diesem Viertel. Ursprünglich diente es als Leprosorium, also als Unterkunft für Menschen mit Lepra. Später wurde es als Weinlager genutzt. Heute ist es vor allem für seine Lage am Fluss und seine historische Architektur bekannt.
- Kettensteg: Wenn dich der Henkersteg neugierig auf Nürnbergs Brücken gemacht hat, geh weiter zum Kettensteg. Die historische Fußgängerbrücke bietet einen ganz anderen Anblick und lässt sich gut mit einem Spaziergang entlang der Pegnitz verbinden.
- Weißgerbergasse: In dieser Gasse stehen zahlreiche historische Fachwerkhäuser. Sie zeigt dir eine andere Seite der Altstadt und ist besonders interessant, wenn du dir die alten Häuserfassaden genauer ansehen möchtest.
- Hauptmarkt: Vom Henkersteg aus kannst du deinen Rundgang in Richtung Hauptmarkt fortsetzen. Dort warten unter anderem die Frauenkirche und der Schöne Brunnen.
- Wenn du mehrere Sehenswürdigkeiten miteinander verbinden möchtest oder die Fußgängerzone Nürnberg entdecken willst, hilft dir mein Altstadtrundgang durch Nürnberg bei der Planung.
Praktische Tipps für deinen Besuch
- Wie viel Zeit brauchst du? Für die Brücke, einen Blick auf den Henkerturm und ein paar Fotos reichen etwa 10 bis 20 Minuten. Wenn du das Henkerhaus besichtigen möchtest, solltest du mehr Zeit einplanen.
- Kostet der Henkersteg Eintritt? Nein. Du kannst die Brücke kostenlos überqueren. Eintritt wird nur für die Ausstellung im Henkerhaus verlangt.
- Wie erreichst du den Henkersteg? Am besten zu Fuß. Vom Hauptmarkt aus erreichst du den Steg bei einem Spaziergang durch die Altstadt. Auch von der U-Bahn-Station Lorenzkirche ist es nur ein kurzer Fußweg.
- Wo am Henksersteg parken? Direkt am Henkersteg kannst du nicht parken. Unsere Seite Parken in Nürnberg hilft dir bei der Suche nach einem passenden Parkhaus.
- Kannst du den Henkersteg mit Kindern besuchen? Ja, die Brücke lässt sich gut in einen Altstadtspaziergang mit Kindern einbauen. Die Ausstellung im Henkerhaus behandelt allerdings historische Strafen und Kriminalfälle. Ob sie für Kinder geeignet ist, hängt vom Alterab.



Häufige Fragen zum Henkersteg
Der Henkersteg, auch bekannt als Langer Steg, ist eine historische Holzbrücke, die über die Pegnitz in Nürnberg führt. Sie verbindet die Insel in der Pegnitz mit dem Stadtteil St. Lorenz. Der Steg beginnt am Henkerturm und mündet neben dem Unschlitthaus auf den Unschlittplatz.
Der Henkersteg in Nürnberg wurde erstmals im Jahr 1457 für Fußgänger über den südlichen Ausfluss der Pegnitz errichtet. Im Verlauf der Zeit wurde er aufgrund von Hochwasserschäden und Veränderungen mehrmals erneuert und umgebaut, um den Bedürfnissen der Stadt und der Bevölkerung gerecht zu werden.
Nein, für die Nutzung des Henkerstegs in Nürnberg ist kein Eintritt erforderlich. Der Steg ist öffentlich zugänglich und kostenfrei begehbar.
Da es sich um einen öffentlichen Steg handelt, hat er keine spezifischen Öffnungszeiten. Der Zugang ist für Fußgänger das ganze Jahr über rund um die Uhr möglich, es sei denn, es gibt spezielle Anlässe oder Bauarbeiten, die vorübergehende Einschränkungen verursachen könnten
Ja, ein Abstecher vom Henkersteg zur Fleischbrücke lohnt sich definitiv, besonders wenn du an historischen Sehenswürdigkeiten und Architektur interessiert bist. Beide Brücken haben eine bedeutende Geschichte und sind wichtige Wahrzeichen in Nürnberg.
In Bayern gibt es einige berühmte Fotomotive, die landschaftliche Schönheit und kulturelle Sehenswürdigkeiten vereinen.
Kehlsteinhaus (Eagle’s Nest) – Das Kehlsteinhaus, auch als „Eagle’s Nest“ bekannt, ist eine historische Stätte aus der Nazi-Ära, die auf einem Berggipfel über Berchtesgaden thront. Die Aussicht von hier oben ist atemberaubend, und es bietet sich ein spektakulärer Panoramablick auf die umliegenden Alpen. Besuche die offizielle Webseite für weitere Informationen: www.das-kehlsteinhaus.de.
Felsenlabyrinth Luisenburg – Das Felsenlabyrinth Luisenburg ist ein beeindruckendes Naturdenkmal in der Nähe von Wunsiedel. Dieses riesige Felsenlabyrinth bietet ein einzigartiges Wandererlebnis mit einem verwirrenden Netzwerk aus Felsen, Schluchten und Höhlen. Es ist ein fantastisches Fotomotiv für Natur- und Wanderliebhaber. Weitere Details findest du auf der offiziellen Webseite: www.felsenlabyrinth-luisenburg.de.
Königssee – Der Königssee ist einer der schönsten Seen in Bayern und bietet klare, türkisfarbene Gewässer, umgeben von hohen Bergen und dichtem Wald. Das Bootfahren auf dem Königssee ist eine unvergessliche Erfahrung, besonders wenn man die weltberühmte Wallfahrtskapelle St. Bartholomä besucht. Informationen findest du auf der offiziellen Webseite: www.koenigssee-bayern.de.
Winklmoosalm – Die Winklmoosalm bei Reit im Winkl ist eine malerische Almregion, die im Sommer und im Winter gleichermaßen beeindruckend ist. Die weiten Wiesen und die umgebende Berglandschaft machen sie zu einem idealen Fotomotiv. Im Winter ist die Winklmoosalm ein beliebtes Skigebiet. Besuche die offizielle Webseite für weitere Details: www.winklmoosalm-reitimwinkl.de.
Diese Orte bieten reichlich Fotomöglichkeiten und sind nicht nur landschaftlich beeindruckend, sondern auch kulturell und historisch bedeutend.
Weiterführende Links
- nicht weit von hier, das bekannte Albrecht Dürer Haus
- beliebteste Sehenswürdigkeit der Stadt, die Kaiserburg Nürnberg
- besuch unbedingt auch die Weißgerbergasse
- entdecke die Nürnberger Altstadt
Titelbild: Ram Lanka, Unsplash


